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väterbeziehungen.

die beziehung zu meinem vater ist so eine sache.

eine sehr, sehr komplizierte geschichte, die nie ihr ende zu finden scheint.

egal wie oft ich darüber schreibe, egal wie oft ich darüber spreche, diese geschichte braucht ein ende, das nicht alleine geschrieben werden kann.

das ist es wohl auch, was mich so sehr enttäuscht.

ich bin es gewohnt alleine meinen weg zu gehen. alleine lösungen für probleme zu finden und dinge, die sich mir in den weg stellen, ganz alleine, mit einem kleinen hämmerchen zu bearbeiten, bis die bröckchen so klein sind, dass ich problemlos darüber hinwegsteigen kann.

oft setze ich mich mit einem bier auf den balkon und starre in die welt hinein, bis mir die lösung, offenbarung, oder was auch immer, in den schoß fällt.

für mich und meine probleme hat das bis jetzt immer hervorragend funktioniert.

einwandfrei funktioniert.

und selbst wenn dieses, in die welt hineinstarren, mal nicht geklappt hat, waren mir stift und zettel dann doch immer gute weggefährten auf dem pfad der problemlösungen.

nur will im falle "der Vater" weder stift, noch zettel, bier, noch die welt selbst, mir helfen.

ich schreibe, starre und trinke. NEIN! saufe!

doch... nichts.

ich komme mit mir selbst auf keinen grünen zweig.

ich weiß nicht, wie ich an meinen vater herantreten soll, muss, kann..

jedes mal, immer wieder aufs neue, stehe ich vor ihm und fühle mich wie ein kleines kind, dass noch nicht einmal das schuhebinden gelernt hat. immer wieder.

ich weiß nicht wie ich mit ihm über unsere beziehung reden soll. aber, wie kann man denn auch über etwas sprechen, das nicht da ist?!
wie kann ein physiker eine materie erforschen die gar nicht existiert?!

ich übertreibe.

gerne und gut.

das ist es wohl auch, was mich, mit mir, ohne ihn, hier, nicht auf einen grünen zweig kommen lässt.

und was ich von ihm will, naja, das weiß ich eigetnlich auch nicht so recht.

nach all den jahren, die ich ohne ihn verbracht habe, jetzt auf einmal raum, in meinen kommenden jahren, für ihn zu schaffen ist schwer. will ich das? ich denke schon.
ich glaube, in meinem tiefsten inneren, will ich, mit geflochtenen zöpfchen, ein eis in der einen, meinen schnuller in der anderen hand, auf seinem schoß sitzen und von ihm hören, wie lieb er mich doch hat. dass er stolz ist auf mich und dass ich mal großes erreichen werde. dann hätte ich gerne einen dicken schmatzer auf die stirn und ein weiteres "ich hab dich lieb".

ich hätte gerne, dass er mich abends ins bett bringt, die decke unter meinen kleinen körper stopft, den schrank nach monstern durchsucht, sich auf einen schaukelstuhl neben mich setzt und mir gute-nacht-geschichten vorliest. dabei soll er jedem charakter in der geschichte eine andere lustige stimme verpassen und mit mir lachen, wenn etwas komisch ist und weinen, wenn etwas traurig ist. nach der geschichte, soll er sich aus meinem zimmer schleichen und die türe einen spalt breit offen lassen, damit der raum noch etwas licht abbekommt. jedoch nicht, bevor er mir nicht noch einmal liebevoll über den kopf streichelt, die decke zurechtzupft und beim verlassen des zimmers, seufzend auf mich hinabsieht und flüstert: "ich hab dich so lieb, meine kleine".

er soll mich auf den spielplatz begleiten, mit mir sandburgen bauen und während ich an den kletterstangen turne, auf einer bank in der nähe sitzen, sich mit anderen vätern unterhalten und mit stolz geschwellter brust auf mich zeigen und sagen: "das ist MEINE tochter".

.. meine tochter und sonst keinem seine.

er soll mir an weihnachten einen kleinen hund schenken, von dem meine mutter nichts wusste und dann heftig mit ihr im zimmer nebenan streiten, weil sie eigentlich gar keinen hund haben wollte, während ich mit meinem neuen freund, kuschelnd, unter dem weihnachtsbaum sitze.

er soll mich, dann später, wenn ich größer bin, von der schule abholen, in einem seiner teuren autos. dort, an die motorhaube gelehnt, eine lederjacke tragend, lässig eine zigarette rauchen und auf mich warten. so, dass er etwas aufmerksamkeit erregt und ich stolz darauf bin, gleich mit diesem coolen mann, in seinem lässigen schlitten, wegfahren zu dürfen, denn er wäre MEIN papa, meiner und sonst keinem seiner. und nicht so peinlich wie die väter der anderen halbwüchsigen. er wäre ein cooler papa, der mir dann, wenn ich meinen führerschein ganz neu hätte, seinen teuren wagen borgt, damit ich mit meinen freundinnen an den see fahren kann. alle würden sie sagen, wie cool, lässig, verständnisvoll und großartig er doch ist und dass sie auch gerne so einen vater hätten. aber er wäre ja mein papa, meiner und sonst keinem seiner.


ja. das wäre mein papa.


... wäre.
19.8.13 11:27
 
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